Da es seit einiger Zeit mit dem Suprelorin®-Implantat eine neue Variante zur Beeinflussung der Fruchtbarkeit gibt und ich als Tierärztin schon von einigen Züchtern darauf angesprochen wurde, haben wir uns dazu entschlossen, auf unserer Homepage eine eigene Rubrik zu diesem Thema zu veröffentlichen.



Was ist ein Suprelorin®-Implantat und wie funktioniert es?


Bei diesem Produkt der Firma Virbac handelt es sich um ein etwa reiskorngroßes Implantat, das kontinuierlich über mehrere Monate hinweg den Wirkstoff Deslorelin freisetzt, dadurch in die körpereigene Hormonkaskade eingreift und eine vorübergehende Unfruchtbarkeit erzielt.


Bei dieser Hormonkaskade wird physiologischerweise bei jedem geschlechtsreifen Organismus (egal ob Hund, Katze oder Mensch) vom Hypothalamus, einer Region des Zwischenhirns, in Schüben das Hormon GnRH (Gonadotropin Releasing Hormon) ausgeschüttet, das wiederum auf die Hypophyse, die sogenannte Hirnanhangsdrüse, wirkt und dort die Ausschüttung der Hormone LH (Luteinisierendes Hormon) und FSH (Follikel stimulierendes Hormon) initiiert.

LH und FSH regulieren im Wesentlichen die Funktionen der Hoden und der Eierstöcke. Diese Organe produzieren dann wiederum die Sexualhormone (Testosteron oder Östrogen und Progesteron).

Diese Wirkkaskade funktioniert aber nur dann, wenn das GnRH pulsatil, d.h. in Schüben freigesetzt wird.

Sowohl beim männlichen als auch beim weiblichen Tier ist die Wirkdauer des Suprelorin®-Implantats recht variabel. Nach derzeitigen Erfahrungen reicht sie oft weit über die angegebenen 6 Monate hinaus und bleibt bei vielen Individuen auch mit dem 4,7 mg-Präparat bis zu 24 Monate erhalten.


Der Vorteil des Suprelorins® liegt in der Tatsache, dass die Wirkung reversibel ist und auch gesteuert werden kann.

Will man nämlich nicht darauf warten bis es von alleine aufhört zu wirken, hat man die Möglichkeit, das Präparat wieder aus der Nabelregion zu entfernen, was unter Lokalanästhesie problemlos möglich ist. Innerhalb von 2-3 Wochen setzt dann die Rolligkeit wieder ein. Allerdings sollte man diese verstreichen lassen (da sie möglicherweise ohne Eisprung ablaufen könnte) und das Tier erst bei der darauf folgenden Rolligkeit bedecken lassen. Die Wurfgrößen sind scheinbar nach Wirkende genauso groß wie vor dem Suprelorin®-Einsatz.


Prinzipiell ist sowohl beim männlichen als auch beim weiblichen Tier eine beliebige Verlängerung durch wiederholte Implantation des Suprelorins® möglich und birgt keine zusätzlichen Risiken.


Des Weiteren bietet Suprelorin® die Möglichkeit, weibliche Tiere bereits VOR ihrem ersten Zyklus oder männliche Tier VOR Eintritt der Geschlechtsreife gezielt und planbar „auszubremsen“ ohne dabei eine initiale Hochregulierung befürchten zu müssen.

Außerdem hat man durch den Einsatz bei potenten Tieren die Möglichkeit, zu erleben, wie sich  das jeweilige Tier als Kastrat verhalten würde und v.a. wie es sich dann in die restliche Gruppe einfügen würde, ob die Harmonie gestört wäre, das Tier gemobbt würde usw.




Unser persönliches Fazit, was den Suprelorin®-Einsatz bei Kater und Kätzin anbelangt, ist durchweg positiv und ich rate jedem, der mit dem Gedanken spielt, es zumindest zu versuchen! Klappt es nicht, hat man außer ca. 60  € und ein wenig Aufwand nichts verloren.

Da alle Wirkungen und Nebenwirkungen auf jeden Fall reversibel sind, kann im Grunde gar nichts schief gehen, sofern das Implantat in die Nabelregion gesetzt wird, wo es im Ernstfall problemlos wieder zu entnehmen ist.

Wird jedoch die erwünschte Wirkung erzielt, kann man den Einsatz von Sexualhormonen mit ihrem hohen Nebenwirkungspotential vermeiden. Es ist keine regelmäßige Medikamentengabe nötig und der Zyklus lässt sich genauso gut steuern wie mit Kontrazeptiva, allerdings sehr viel schonender und ungefährlicher!

Einige Monate später konnte man deutlich eine Verformung der Außenhülle des Suprelorins® fühlen, die Wirkung hielt aber nach wie vor an.

Nach über einem Jahr zeigte Perfie wieder langsam sexuelles Verhalten, weswegen er dann chirurgisch kastriert wurde. Seine Hoden waren zu diesem Zeitpunkt jedoch noch nicht wieder deutlich größer geworden. Auch das Implantat war nach wie vor zu fühlen, sogar noch bis 18 Monate nach der Implantation. Mit der Zeit ließ sich das Stäbchen jedoch schwieriger ertasten, wurde deutlich kleiner und weicher, d.h. die Außenhülle des Suprelorins® schien sich zunehmend zu verformen. Mittlerweile, 20 Monate  nach der Implantation, ist es nicht mehr zu spüren.


Da Perfie noch sehr jung war als das Implantat gesetzt wurde, kann ich persönlich nichts zum Markierverhalten sagen, weiß aber von befreundeten Züchtern und aus meinem Berufsalltag, dass auch diese Verhaltensweise unter der Wirkung des Suprelorin®-Implantats fast immer verschwindet.

Neben der ursprünglichen Indikation, die Fruchtbarkeit auszuschalten, wird das Präparat mittlerweile nämlich auch bei chirurgisch kastrierten Katern und Kätzinnen eingesetzt, um das Harnmarkieren zu stoppen.



KÄTZIN


Als Tierärztin weiß ich um das hohe Nebenwirkungspotential, das sich aus der Gabe von Kontrazeptiva („der Pille“) ergibt und wollte unserer Saphira dieses hohe Risiko nicht zumuten bevor ich nicht das Suprelorin®-Implantat versucht hätte.

Zwar ist das Präparat nur für den Rüden zugelassen und schon gar nicht für den weiblichen Organismus, was jedoch nicht heißt, dass Virbac diesbezüglich nicht schon Studien unternommen hat und Erfahrungswerte sammeln konnte.


Nach reiflicher Überlegung, vielen Gesprächen mit sehr erfahrenen Kolleginnen und nach Rücksprache und Anleitung durch eine Tierärztin einer Universitätsklinik haben wir uns für einen Versuch entschieden und ließen Saphira das Implantat setzen als die Welpen ihres Wurfes 8 Wochen alt waren.

Auf ausdrückliche Empfehlung wurde ihr das Suprelorin® nicht zwischen die Schulterblätter, sondern unter die Haut in der Nabelgegend gesetzt, da von dort eine eventuelle Entnahme des Implantats problemlos, schnell und v.a. vollständig möglich ist. Obwohl Saphira eine durchaus selbstbewusste Dame ist, war dies bei ihr ohne Narkose oder Lokalanästhesie möglich.

Auch Saphira zeigte keinerlei Hochregulierung, obwohl das Präparat in diesem Rahmen in den ersten Wochen bis zum Wirkeintritt eine Rolligkeit auslösen kann. Auch besteht die Möglichkeit einer Dauerrolligkeit, die gegebenenfalls mit der Entnahme des Suprelorins® beendet werden kann.

Das Implantat war an Saphiras Bauch sehr gut sicht- und fühlbar und obwohl sie ihre Babies noch säugte, kam es zu keinerlei Problemen. Weder schien ihr der Milchtritt an der Implantationsstelle etwas auszumachen, noch zeigte das Deslorelin bei den Welpen irgendeine Wirkung.

Quelle: Dr. S. Goericke-Pesch, Diplomate ECAR, Fachtierärztin für Zuchthygiene und Biotechnologie der Fortpflanzung; Klinik für Geburtshilfe, Gynäkologie und Andrologie der Groß- und  Kleintiere, Gießen

Deslorelin, der Wirkstoff des Suprelorin®-Implantates, ist ein sogenannter GnRH-Agonist, d.h. ähnelt in Aufbau und Wirkung dem GnRH, wird jedoch kontinuierlich aus dem Implantat freigesetzt und stoppt dadurch letztendlich die FSH- und LH-Ausschüttung. Ohne diese beiden Hormone können auch keine Sexualhormone mehr produziert werden, was eine vorübergehende Unfruchtbarkeit nach sich zieht.

Beim männlichen Organismus kommt es ohne FSH nicht zur Spermienbildung, beim weiblichen Organismus sind Eizellenwachstum und -reifung gehemmt. LH wiederum ist nötig zur Reifung der Spermien bzw. für den Eisprung.



Wie wird das Suprelorin®-Implantat angewendet und was bewirkt es dann?


Als allererstes muss unbedingt gesagt sein, dass dieses Präparat bislang NUR für den RÜDEN zugelassen wurde, d.h. alle offiziellen Angaben über Wirkeintritt, -dauer, Auswirkungen auf Verhalten und Libido u.ä. beziehen sich auf die Studien und Erfahrungen beim männlichen Hund!


Nichtsdestotrotz existieren erfolgreich abgeschlossene Studien sowie Erfahrungswerte zum Einsatz sowohl bei der Hündin als auch bei Kater und Kätzin.


Das Implantat wird wie ein Mikrochip mit einer etwas dickeren Kanüle unter die Haut gesetzt. Dazu ist keine Narkose oder Lokalanästhesie notwendig.

Bis das Präparat seine volle Wirkung entfaltet hat, vergehen ca. 6 Wochen. In diesem Zeitraum kann es zu einer vorübergehenden Intensivierung, einer sogenannten Hochregulierung kommen, d.h. eine Verstärkung der Libido und des durch Sexualhormone bedingten Verhaltens sind möglich. Innerhalb dieser Wochen ist die Fruchtbarkeit und Fortpflanzungsfähigkeit noch nicht zuverlässig ausgeschaltet!

Nach Wirkeintritt verkleinern sich beim männlichen Tier die Hoden und der Testosteron-Spiegel im Blut sinkt merklich ab. Die Tiere sind nun REVERSIBEL kastriert und zeigen meist ein deutlich verändertes Verhalten. Es werden jedoch selbstverständlich nur Verhaltensweisen beeinflusst, die vorher hormonbedingt waren. Wichtig zu wissen ist, dass mit dem Wirkbeginn des Suprelorins® auch alle kastrationsbedingten Nebenwirkungen, wie z.B. Gewichtszunahme, eintreten können.


Das 4,7 mg-Implantat ist auf eine Mindestwirkdauer von 6 Monaten ausgelegt, die neue, seit kurzem erhältliche 9,4 mg-Variante auf mindestens 12 Monate Unfruchtbarkeit.


Sobald das Implantat aufhört zu wirken - bei männlichen Tieren sehr gut an der wieder anwachsenden Hodengröße zu erkennen - setzt auch die Fruchtbarkeit und die Libido wieder ein und das Tier kann wieder ganz normal decken. Weder die Spermienqualität noch die Anzahl gezeugter Nachkommen wird nach derzeitigem Wissen vom Einsatz des Suprelorins® beeinflusst.

Penishaken eines potenten Katers

Penis ohne Haken

7,5 Monate nach Suprelorin®-Implantation

Erfahrungswerte bei Kater und Kätzin



Ich möchte ausdrücklich darauf hinweisen, dass es sich bei diesen Schilderungen ausschließlich um persönliche Erfahrungswerte handelt, die ich v.a. bei unseren eigenen Katzen sammeln konnte!




KATER


Da unser Perfie bereits im zarten Alter von 18 Wochen Deckverhalten mit Nackenbiss zeigte, ich ihn so früh aber noch nicht operativ kastrieren wollte, wurde ihm im Alter von 6 Monaten das 4,7 mg-Suprelorin®-Implantat zwischen die Schulterblätter gesetzt.

Obwohl beim Kater die Wirkung oft erst etwas später einsetzt als beim Rüden - also häufig erst nach etwa 8 Wochen - zeigte das Präparat bei Perfie schon nach sehr kurzer Zeit eine deutliche Wirkung. Ohne überhaupt eine Hochregulierung durchgemacht zu haben, wurde er ruhiger und seine Avancen Saphira gegenüber hörten auf.

Seine Hoden wurden deutlich kleiner, seine Penishaken verschwanden und sein Testosteron-Spiegel im Blut war auch 6 Monate später noch nicht einmal messbar.




Home
Über uns
News
Fellnasen
Nachwuchs
Aufzucht
Galerien
Gästebuch
Wissenswertes
    Die BKH
    Katzen-Krankheiten
      Suprelorin®
Links
Kontakt
ImpressumHome.htmlUeber_uns.htmlNews.htmlFellnasen.htmlNachwuchs,_Wurfplanung.htmlAufzucht.htmlGalerien.htmlGaestebuch.htmlWissenswertes.htmlDie_Britisch_Kurzhaar-Katze.htmlKatzen-Krankheiten.htmlLinks.htmlKontakt.htmlImpressum.htmlshapeimage_7_link_0shapeimage_7_link_1shapeimage_7_link_2shapeimage_7_link_3shapeimage_7_link_4shapeimage_7_link_5shapeimage_7_link_6shapeimage_7_link_7shapeimage_7_link_8shapeimage_7_link_9shapeimage_7_link_10shapeimage_7_link_11shapeimage_7_link_12shapeimage_7_link_13

aktualisiert: Februar 2012

Auch nach über 12 1/2 Monaten war das Suprelorin® unter der Haut noch immer deutlich zu fühlen. Es wirkte nach wie vor zuverlässig und Saphira zeigte weiterhin keinerlei Anzeichen von Rolligkeit.

Da unsere Wurfplanung jedoch bereits abgeschlossen war und wir Saphira wieder decken lassen wollten, entschieden wir uns für die Entnahme des Implantates.


Nachdem das Suprelorin® in der Nabelgegend lokalisiert worden war, wurde die Stelle mittels Lokalanästhetikum betäubt und das Stäbchen durch einen ca. 1 cm-langen Schnitt entnommen. Obwohl Saphira nicht gerne auf den Rücken gelegt wird, hat sie den 10-minütigen Eingriff gelassen und ohne Gegenwehr geschehen lassen und fegte noch am selben Mittag wieder ausgelassen durch die Wohnung als sei nichts gewesen.

Während des Eingriffs konnten wir sehr gut nachvollziehen, warum das Implantat bei eventuellen Entnahme-Plänen in die Nabelregion gesetzt werden sollte, denn kaum wurde es mit der Pinzette fixiert, brach das ca. 1-cm-lange Stäbchen auseinander. Da in der Nabelregion nur etwas Fettgewebe zwischen Haut und Bauchmuskulatur liegt, war es kein Problem, die andere Hälfte wieder zu finden und ebenfalls zu entnehmen. Dies wäre allerdings in der sehr fett- und bindegewebsreichen Region des Nackens und der Schulterblätter sehr, sehr schwierig und v.a. langwierig gewesen.

Der kleine Schnitt unterhalb ihres Nabels ließ Saphira völlig kalt.

Das sehr zerbrechliche Suprelorin-Stäbchen war nur ca. 1 cm lang.

Den Studien zufolge setzt die Rolligkeit bei den meisten Kätzinnen innerhalb von etwa 3 Wochen nach Entnahme wieder ein.

Die erste Rolligkeit sollte jedoch abgewartet und nicht für eine Bedeckung genutzt werden, da sie häufig ohne Eisprung verläuft und daher infertil sein kann.

Saphiras Rolligkeit ließ sehr lange, nämlich 6 Monate, auf sich warten.

Da sie jedoch fast auf den Tag genau zum selben Zeitpunkt wieder rollig wurde wie vor ihrer ersten Bedeckung 2010, führen wir ihre lange Ruhephase nach der Implantat-Entnahme nicht auf das Suprelorin® zurück, sondern auf den Umstand, dass Saphira scheinbar zu den Tieren gehört, die streng saisonal rollig werden.

Offensichtlich ist sie eine der Katzendamen, die nur einmal im Jahr nach einem Kater verlangen. Da wir sie vorher nie ein volles Jahr auf ihr Rolligkeitsverhalten hin beobachtet hatten, war uns dieser Umstand bislang auch nicht bewusst.


Auch wenn sich für längere Zeit ohne Implantat keine Rolligkeit eingestellt hatte, steht für uns außer Frage, dass die Wirkung des Suprelorins® schon wenige Wochen nach Entnahme des Stäbchens wieder vollständig aufgehoben war.

Wichtigstes Anzeichen dafür war ihre deutliche Gewichtsreduktion innerhalb von etwa 4 Wochen, und das, obwohl sie von Kastraten- auf Leistungsfutter umgestellt worden war.

Saphira hatte nämlich schon bald nach Implantation des Suprelorins® ihren Stoffwechsel sehr deutlich auf „Kastrat“ umgestellt und in kurzer Zeit ein gutes Kilo zugenommen. Aus diesem Grunde wurde sie für die Wirkdauer des Implantats auf ein energiereduziertes Kastratenfutter gesetzt, sodass keine weitere Zunahme erfolgte, ihr Gewicht aber auch nicht mehr abnahm.

Erst nachdem das Stäbchen entnommen worden war, verlor sie die zusätzlichen Pfunde wieder, obwohl sie mittlerweile bereits mit einem energiereichen Leistungsfutter versorgt wurde.


Als Saphiras Rolligkeit dann wieder einsetzte, hatte sich sowohl in deren Dauer und Intensität als auch in der Länge der Abstände zwischen den einzelnen Rolligkeiten im Vergleich zu der Zeit vor der Suprelorin®-Implantation nichts verändert: sie rollte wie gewohnt eine Woche lang und fing nach exakt 14 Tagen wieder von vorne an.

Auch die Art und Weise wie sie rollte hatte sich nicht im Geringsten verändert.


Da sie jedoch leider beim ersten Deckversuch nicht aufgenommen hat und wir das Nachdecken aus privaten Gründen noch eine Weile aufschieben müssen, können wir zur Zeit nichts darüber berichten, ob und wie das Suprelorin® sich auf die Trächtigkeit, das Geburtsverhalten, die Wurfgröße etc.  auswirkt.

Doch sobald es hierzu Neues zu berichten gibt, werden wir diese Seite selbstverständlich wieder überarbeiten.